Ob für das Verständnis im Urlaub oder um deine Erfolgschancen auf der Karriereleiter zu erhöhen, eine neue Sprache zu lernen kann viele Gründe haben. Aber mit der App eine Sprache lernen? „Da bezahlt man sich doch dumm und dämlich und am Ende kommt doch nichts dabei rum.“ „Wenn mein Lehrer es damals nicht geschafft hat, wird mein Handy das heute auch nicht hinkriegen.“ Es gibt noch weitere, unzählige Meinungen zum lernen mit Apps. Wir sind dem Thema auf den Grund gegangen und haben uns für euch gefragt wie man man mit der App eine Sprache lernen kann.

Die App der Wahl

Mit der App eine Sprache zu lernen verschafft einen großen Vorteil. Du musst dich nicht mit endlos vielen Materialien rumschlagen oder schlimmstenfalls diese noch zusammensuchen. Sich für eine App zu entscheiden, kann trotzdem schwerer sein als du es dir vorstellst. Wir haben bereits ein paar der größten Anbieter für Lernapps unter die Lupe genommen. Bei der Wahl für diesen Artikel stellte ich folgende Anforderungen an die App:

  • Für mich war es klar, dass die App umsonst sein muss. Die Probeversionen von Apps mit Bezahlmodell gaben mir nicht ausreichend Zuversicht monatliche Zahlungen in Kauf zu nehmen. Dafür war mein Lernverhalten in der Vergangenheit zu sprunghaft. Nur, weil ich mit der App eine Sprache lernen möchte, heißt es nicht, dass ich mit mehr Ansporn an die Sache heran trete.
  • Spanisch sollte es sein. Mein Englisch ist bereits zufriedenstellend und Spanisch hatte ich zuletzt in der Schulzeit als Fach. Wichtig war zu wissen, ob die App Spanisch als Lernfach überhaupt anbietet. Als eine der Weltsprachen war Spanisch wie erwartet jedoch kein Problem.
  • Alleine geht es auch. Mein Lerntyp ist eine Mischung aus auditiv und visuell. Englisch lernte ich am besten durch englische Medien mit deutschen Untertiteln. Mich mit anderen zu unterhalten war immer ein Hindernis, bis ich mich letztendlich sicher genug fühlte fehlerfrei zu sprechen. Eine kommunikative App schied für mich also aus.
  • Von der Grundlage bis zur Umgangssprache. Ich stelle den Anspruch am Ende meiner Lernphase ein möglichst breites Spektrum der Sprache zu kennen. Ich erwarte nicht den Wortwitz spanischer Komödien zu verstehen, aber zumindest möchte ich genug Wörter kennen um mir das Nötige zusammenzureimen. Die App sollte also Grammatik und Umgangssprache beinhalten.

Nachdem mir meine Ziele und Ansprüche klar waren fiel die Wahl auf Duolingo. Das kostenlose Modell in Verbindung mit viel Inhalt sprach mir zu. Außerdem lockten mich auch die weiteren verfügbaren Sprachen. Wenn es klappen sollte, warum nicht eine weitere Sprache lernen? Aufgepasst! Zu dem Zeitpunkt an dem dieser Artikel erscheint stehen nur Spanisch und Französisch für Deutsche zur Verfügung. Es gibt zwar Zugriff auf alle weiteren angebotenen Sprachen, man muss jedoch Englisch sprechen können.

Die Ersten Schritte

Sobald die App installiert war ging es auch schon los. Profil erstellt, Sprache ausgewählt und festgelegt wie viel Zeit ich täglich zum Sprache lernen aufwenden möchte. Die App gibt mir dazu vier Varianten, von denen ich mich am Anfang für die Längste entschied. Die Stufen sind:

  • Lässig: 5 Minuten am Tag
  • Normal: 10 Minuten am Tag
  • Ernst: 15 Minuten am Tag
  • Verrückt: 20 Minuten am Tag

Die Übungen fielen mir nicht schwer und es stellte sich schnell ein Erfolgserlebnis ein. Gerade die ersten Tage investierte ich mehr Zeit in die App als diese vorsah. Neben den Lektionen gibt es noch eine gemischte Übung, bestehend aus allen bisher abgefragten Vokabeln und Formulierungen. Gut, um sich in einem möglichst breiten Gebiet abfragen zu lassen.

Zwanzig Minuten am Tag sollten doch nicht zu viel sein, oder? Danach folgte direkt erstmal ein Test. Als Nutzer mit „Vorkenntnissen“ stand mir nämlich zur Wahl zunächst mein verbliebenes Wissen auf die Probe zu stellen. Nachdem ich in diesem glorreich scheiterte ging es dann aber trotzdem bei Punkt Null los.

Los ging es mit der Lektion „Grundlagen“. Die Abfragen folgen dabei immer demselben Muster. Es werden hintereinander verschiedene Aufgaben gestellt um eine Teillektion abzuschließen. Besonders in den ersten Teillektionen musste ich vorrangig Wortbausteine anwählen, die die jeweilige Übersetzung anzeigen. Dabei gab es sowohl die Variante deutsche Sätze, als auch aus dem Spanischen ins Deutsche zu übersetzen. Auch eine Art „Wort-Memory“ gibt es als Übung. Dabei muss man, wie der Name bereits andeutet, Paare unter einer Sammlung spanischer und deutscher Worte anwählen. Später musste ich dann auch selbst schreiben, was sich mit steigendem Anspruch auch als problematischer darstellte. Jede Teillektion gibt eine Menge an sogenannten „XP“ ähnlich wie bei einem Videospiel. Für fehlerfreies Beantworten erhält man mehr Erfahrungspunkte. Hat man genug „XP“ gesammelt ist das Tagesziel erfüllt.

Die Übungen fielen mir nicht schwer und es stellte sich schnell ein Erfolgserlebnis ein. Gerade die ersten Tage investierte ich mehr Zeit in die App als diese vorsah. Neben den Lektionen gibt es noch eine gemischte Übung, bestehend aus allen bisher abgefragten Vokabeln und Formulierungen. Gut, um sich in einem möglichst breiten Gebiet abfragen zu lassen.

Die Ersten Probleme

Bereits früh stellte ich fest, dass der Anspruch an den Nutzer nicht der höchste ist. Bei den Wortbausteinen gab es beispielsweise häufig Wörter, die groß geschrieben waren. Diese bildeten ausnahmslos immer den Anfang der Übersetzung. Zwar spielt die App mit diesen Erwartungen und schreibt zu späterem Zeitpunkt Wörter groß, die gar nicht zu der Übersetzung gehören oder nicht am Anfang stehen. In der Regel konnte ich mich aber immer an großgeschriebenen Worten orientieren.

Ähnlich verhielt es sich mit anderen Übungen. Ich lernte schnell die Mechanik hinter der Abfrage ohne mich auf die tatsächliche Abfrage zu konzentrieren. Einfach nur die Lektionen abzuarbeiten war also keine Möglichkeit dauerhaft die Sprache zu lernen. Ich begann schnell damit die Lösungsmöglichkeiten mit der Hand abzudecken und erst einmal aus dem Gedächtnis die Teillektionen zu beantworten.

Mehr Erfahrung

Nach der ersten Woche gelangte ich langsam in einen für mich unbekannten Bereich der Sprache. Mit der steigenden Schwierigkeit wuchs auch die Zeitinvestition. Dadurch suchte ich zunehmend nach Möglichkeiten schnell mein Tagesziel zu erfüllen. Ich wollte nur meine „XP“ auffüllen anstatt mich mit meinem eigentlichen Ziel zu beschäftigen: die Spache lernen.

Eine Lektion besteht immer aus fünf Stufen, welche wiederum aus einzelnen Teillektionen besteht. Auf den niedrigen Stufen sind es nur zwei, auf höheren auch mal mehr als zwölf. Diese Teillektionen lassen sich überspringen. Man macht dazu einen Test mit mehreren Abfragen, in dem man nur drei Fehler machen darf. Ab dem vierten Fehler gilt der Test als gescheitert. Besteht man den Test steigt man in der Lektion eine Stufe auf und erhält sämtliche „XP“, die die Lektion ausmachen. Dadurch kommen bei 50 verlangtem „XP“ pro Tag schonmal durch einen solchen Test mehrere hundert „XP“ zusammen.

Anstatt also meine Übungen gewissenhaft zu machen habe ich Stufen alter, einfacher Lektionen übersprungen. Das lässt sich natürlich eher meinem Lernverhalten als der App vorwerfen. Nicht zuletzt aus diesem Grund habe ich aber mein Tagesziel eine Stufe niedriger gestellt.

Der innere Schweinehund

Bevor ich jedoch zurückstufte kam der Punkt, welchen ich zuvor bereits oft erreicht hatte. Die Lustlosigkeit setzte ein. Das tägliche Lernen wurde immer mehr zur Qual und ich fühlte mich auch nur bedingt durch die App bereichert. Eigentlich war mein Ziel die Sprache zu lernen, aber ich hatte mir aus irgendeinem Grund schnellere Erfolge erhofft.

Selbst heute habe ich mich nicht weit in die Formen der Grammatik eingearbeitet. Stattdessen kann ich auf Spanisch sagen: „Dein Pferd ist Kassierer und trinkt Milch.“

Es dauerte bestimmt drei bis vier Tage der Faulenzerei, bis ich die Stufe zurückstellte und mich selbst motivierte wieder ordentlich zu lernen. Pausen gehören klar zum Lernen dazu. Dass Duolingo einen sogenannten „Streak“, Englisch für Strähne, beinhaltet macht so etwas aber nicht einfacher. Der „Streak“ zeigt an, wie viele Tage man in Folge erfolgreich gelernt hat. Vor kurzem erst habe ich meine 70-tägigen Siegessträhne verloren, weil ich über das Wochenende im Urlaub war. Man muss sich jedoch klar machen, dass es eine zusätzliche Motivation darstellt und keine notwendige Voraussetzung.

Zwei Paar (Sprach-)Socken

Deutsch ist eine schwere Sprache. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten zu formulieren. Nebensätze machen einen großen Teil der Sprachführung aus. Die Aussprache ist ebenso wichtig wie die Schreibweise und die Zusammenhänge zwischen den Wörtern erschließen sich manchmal erst aus dem Satzbau heraus.

Warum das wichtig ist? Spanisch ist sehr viel klarer strukturiert. Die regelmäßigen Verben folgen einem klaren Muster in der Konjugation. Übersetze zum Beispiel „schreibt“. Ohne Zusammenhang ist nicht klar ob ich wissen will: „er, sie, es schreibt“ oder „ihr schreibt“. Stehen beide zur Auswahl kann es sein, dass man an eine Grenze gerät, die als Nutzer nicht zu erkennen ist.

Ähnlich verhält es sich mit bestimmten Formulierungen. Manchmal ist es nicht klar warum ein Verb in einer Formulierung genutzt wird und eine Erklärung wird nicht gegeben. Duolingo bietet hierzu eine Kommentarfunktion für jede Abfrage. Gerade bei mehrdeutigen Antwortmöglichkeiten sieht man die Kommentaranzahl in die Höhe schnellen. Leider helfen die Kommentare nicht dabei vorher zu erkennen, was die App vom Nutzer verlangt.

Auch dass manche Formulierungen wortwörtlich übersetzt werden müssen kann für Frust sorgen. Ob ich nun „weder groß noch klein“ oder „weder klein noch groß“ schreibe ist doch nun wirklich nicht wichtig. Natürlich muss die App irgendwie wissen, dass ich die richtigen Wörter entsprechend zuordne. Etwas mehr Freiheit beim Übersetzen wäre aber trotzdem schön gewesen.

Die Realität

Eine Sprache zu lernen bedeutet Zeit zu investieren und das möglichst oft und regelmäßig. Eine App erspart einem zwar Material und ist mobil einsetzbar, dafür fehlten mir Erklärungen oder die Möglichkeit „frei Schnauze“ zu übersetzen.

Habe ich das Lernen also aufgegeben? Nein.

Würde ich davon abraten eine App zu benutzen um eine Sprache zu lernen? Ebenfalls nein.

Ich würde aber jedem empfehlen sich bewusst zu machen welche Möglichkeiten eine App besitzt. Trotz Empfehlungen kann die App das richige Lerntempo nicht vorschreiben. Auch fehlende Erklärungen können zu einer richtig auswendig gelernten Sprache führen, bei der aber die Hintergründe dem Lernenden falsch oder gar nicht bekannt sind.

Kann man eine App denn empfehlen? Ja, wenn sie als Basis für den Sprachgebrauch gesehen wird. Nach fast zwei Monaten bin ich nicht in der Lage mich auf Spanisch zu unterhalten oder einer Unterhaltung zu folgen. Das Gerüst der Sprache ist mir aber durchaus bewusst geworden und ich werde mich weiterhin durch die App fortbilden. Vielleicht kann ich dann eines Tages sagen: Ja, eine Sprache lernen mithilfe einer App ist machbar und sinnvoll.

Bis dahin bleibt eine App wohl nichts weiter, als ein gut strukturiertes Nachschlagewerk.